Ist das Kunst oder kann das weg?

The Knife in Köln
E-Werk // 02.05.2013

Nach schier endlosen sieben Jahren lassen sich die Schweden von The Knife endlich mit neuem Material wieder blicken und bieten eine Performance der etwas anderen Art.

 

The Knife, Foto: Kirsten OttoDas Kölner E-Werk ist ausverkauft, eine homogene Hipster-Mischung wartet sehnsüchtig auf ihre Helden. Nach 1,5 Stunden ist immer noch keine Band in Sicht. Langsam wird es unruhig. Dann endlich, fast zwei Stunden nach Einlass, wird es dunkel, die ersten sphärischen Klänge werden laut und nach einer gefühlten Ewigkeit ein Lichtblick: Sieben Gestalten in bunt glitzerndern Roben betreten die Bühne – The Knife sind gelandet, das Spektakel kann beginnen.

Der treibende Elektrobeat aus der Dose sowie Karin Dreijer Anderssons durchdringende Stimme (zum größten Teil leider ebenfalls Playback) werden experimentell von abgespaceten Instrumenten unterstützt: Eine schillernde Regenbogenharfe, neonfarbende Rasseln in unterschiedlichsten geometrischen Formen, Heulrohre, E-Flöte sowie ein riesiger, liegender E-Bass sind nur ein paar der wunderlichen Soundgeräte auf der Bühne.

The Knife, Foto: Kirsten OttoWenn nicht die Instrumente beackert werden, ist halt die Luft dran, Air banding deluxe, gefolgt von einer drei Songs langen Aerobic-artigen Choreo zum Mitmachen. Im Anschluss herrscht völlige Dunkelheit und Leere, nur um gleich darauf wieder im gleißenden Licht das Gymnastikband mit elegantem Schwung auszupacken, bis hin zum völligen Erstarren. Gut drei Viertel von „Full Of Fire“ verharren alle auf der Bühne ganz regungslos, bis sich die Gruppe wieder Harlem-Shake-mäßig in wilder Ekstase verliert, eingetaucht in zuckende Laser.

Gesprochen wird nicht viel, eine Interaktion mit dem Publikum ist so gut wie nicht vorhanden, trotzdem zappelt die eine Hälfte des Publikums fleißig mit und saugt die abstrakte Performance auf, während die andere Hälfte eher verwirrt bis verärgert aus der Wäsche schaut. Zugegeben, mit einem Konzert im herkömmlichen Sinne hat das nicht viel zu tun, aber wenn man sich darauf einlässt, wird man doch ganz wunderbar unterhalten. The Knife performen fast das komplette neue Werk „Shaking The Habitual“. Die anderen drei Alben sind wenigstens mit einem Song vertreten, obwohl man sich schon den ein oder anderen Klassiker mehr gewünscht hätte.

Nach 90 Minuten lassen die Schweden den wilden Ritt mit „Silent Shout“ rave-artig ausklingen. Nahtlos wird das Publikum weiter beschallt, nur die Bühne ist nun leer. Die Leute sind verunsichert: War es das jetzt? Und was war das eigentlich genau? Der wohlbekannte Spruch „Ist das Kunst oder kann das weg?!“ drängt sich auf. Das Publikum ist gespalten: Für die einen war es wohl nicht mehr als eine viel zu teure Zumba-Stunde, für die anderen ein bewusstseinserweiterndes Erlebnis: avantgardistisch, abstrakt, anders. Ein Trip wie auf afrikanischer Traumwurzel!

The Knife, Foto: Kirsten Otto

Setlist:
A Cherry on Top
Raging Lung
Bird
Without You My Life Would Be Boring
A Tooth for an Eye
One Hit
Networking
Wrap Your Arms Around Me
Got 2 Let U
Ready to Lose
Full of Fire
Stay Out Here
Silent Shout

_ Hier gibt es alle Fotos zur Show von Kirsten Otto
_ Originalartikel erschienen auf www.getaddicted.org

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