Rock am Bach wächst und gedeiht

Rock am Bach 2009 @ Merzig // 10. + 11.07.2009


Über 9000 Festivalbesucher nahmen dieses Jahr beim 11. ROCK AM BACH im saarländischen Merzig die Gelegenheit war und frönten bei entspannter Atmosphäre und guten Wetter 2 Tage lang der gepflegten Live-Musik. Eine gute Organisation, kurze Wege und wassergespühlte Toiletten rundeten die Sache ab.


Am Freitag begann unser Tag, aufgrund der längeren Anreise und einer gesperrten Bundesstraße, pünktlich mit DISCO ENSEMBLE. Die 4 finnischen Herren beehrten das Festival nun schon zum 2. Mal und legten eine ordentliche Show aufs Parkett. Einzig getrübt durch einige technische Probleme. So versagte bei „We might fall apart“ kurzzeitig Gitarre und Bass, bei „Headphones“ das Keyboard. Aber die Jungs sind ja schon eine Weile im Geschäft und retteten sich souverän mit „Magic Recoveries“ aus der Lage. Mit ihren druckvollen Songs und ihrer energiegeladenen Show begeisterten sie die, noch kleine, aber feine Pit.


mehr von Disco Ensemble auf Flickr

Bei WALLS OF JERICHO wurde es richtig brutal, denn Frontfrau Candace Kucsulain kennt kein Erbarmen. Man kann es kaum glauben, was aus der eigentlich sehr zierlichen Dame (wenn man über die Oberarme hinwegsieht) herauskommt und mit welcher Energie sie auf der Bühne alles kurz und klein schlägt. Die Moshpit war ein einziger Hexenkessel und Candace stachelte die Menge immer weiter an, frei nach dem Motto „Mehr Crowdsurfer, die Securities sollen ordentlich was zu tun bekommen, schließlich werden sie dafür bezahlt!“ und es gab kein halten mehr. Sogar einen Menschen mit Krücken konnte ich in der Pit ausmachen. Mit Songs wie „A trigger full of Promises“, „Feeding Frenzy“ und „The American Dream“ wurde dem Publikum eine abwechslungsreiche Show geboten.
Danach brauchte man erstmal eine kleine Erholungsphase um frisch zum Melodic-Hardcore von IGNITE auf der Matte zu stehen. Die 5 Kalifornier scheinen LA nicht so zu mögen, immer wieder setzt es Seitenhiebe auf die „City of Angels“. Dafür mochte das Publikum das Set umso mehr und wurde mit Krachern wie „Who sold out now“, „Run“, „Fear is our Tradition“ und „Live for better days“ belohnt. Romantisch wurde es beim Song mit Akustik-Gitarre „Slowdown“ in der Abenddämmerung.


mehr von Walls of Jericho bei Flickr

Die DROPKICK MURPHYS kommen beim Großteil des Publikums immer gut an. Sehr wahrscheinlich steigt die Anzahl der jubelnden Masse proportional zum Bierkonsum. Die ideale Festivalband also und somit verdient Freitags-Headliner. Mit Dudelsack, Banjo und einem gefühlten 4-Stunden-Intro feierte Band und Publikum eine feucht-fröhliche Party inklusive irischer Originalversion des deutschen „An der Nordseeküste“ – „The wild Rover“.
Doch damit war der Abend noch lange nicht vorbei! Weiter ging es mit MAMBO KURT, dem König der Heimorgel, auf der Perfect Pain Stage am Campingplatz. Ein Kracher jagte den nächsten – von Rammsteins’ „Engel“, über Rage Against the Machines’ „Killing in the Name of“ bis hin zu Dr. Albans’ „Sing Hallelujah“ wurde fast aus jedem Genre und jeder Zeit was verwurstet. Auch wenn der Herr stimmlich nicht so viel zu bieten hat, gute Laune machte es allemal!
Damit endete ein erfolgreicher 1. Festivaltag, doch die Party auf dem Campingplatz war noch lange nicht vorbei…bis in die frühen Morgenstunden wurde fröhlich weiter getrunken.


Für alle Freunde der Körperpflege begann Tag 2 des Festivals im Bad Merzig um die Ecke. Hier konnte sich der Festivalbesucher zum ermäßigten Preis (Ersparnis ganze 0,30€, na dann..) 2 Stunden lang blitzblank duschen. Eine schöne Sache und man fühlte sich danach auch nur noch halb so müde.
Sauber und frisch ging es los mit HARDCUT, einer der Gewinner des diesjährigen ROCK AM BACH Vorentscheids. Die saarländische Metal/Hardcore Kapelle lieferte eine solide Show ab, doch den meisten Festivalbesuchern steckte wohl noch MAMBO KURT in den Knochen, denn der Funke wollte nicht wirklich überspringen.


Besser wurde es bei THE CASTING OUT. Zur Einstimmung hallte Kelly Clarksons „My life would suck without you“ durch die Boxen. Leider wollen wohl einige Leute immer noch nicht einsehen, dass eine bestimmte Band (die hier jetzt nicht genannt wird) einfach nicht mehr existiert und mit THE CASTING OUT neue Wege beschritten werden. So gab es hartnäckige „Rookie“-Rufe, die aber gekonnt mit einer wunderbaren „Wookiee“-Performance pariert wurden. Diese Band ist einfach sympathisch und zauberte ein Lächeln auf die Gesichter der Anwesenden. Dieses gab’s auch breit zurück mit den Worten, dass sie wohl heute die einzige Band sein werden die Lächeln, da der Rest des Line-Ups „so dunkel und böse“ ist. Aber nicht nur mit ihrer Sympathie konnten die 5 Herren punkten auch musikalisch haben sie es drauf. Punkrock mit wunderbaren Melodien, dass ist es, was ihr Debütalbum „Go Crazy! Throw Fireworks!“ bietet. Mit Songs wie „Quixotes Last Ride“, „Don’t Forget To Breathe“, „Lullaby“ und „These Alterations“ (um nur ein paar zu nennen) feierten Band und Publikum die erste Party des Tages. THE CASTING OUT setzten dann noch einen drauf und spielten den neuen Song „Tell me“, eine Variation des Songs „Awkward as we came“ von der 1. EP. Wer da nicht den Anweisungen der Band folge leistete Merch zu kaufen, da diese doch quasi pleite sind, ist selber schuld.


mehr von The Casting Out auf Flickr

Brasiliens Thrash-Metal Band SEPULTURA konnte hier, anders als beim Devil Side Festival, gut überzeugen. Die Saarländer scheinen Max Cavalera nicht so sehr zu vermissen. Und wenn schon, sie wurden mit Klassikern aus der guten alten Zeit wie „Refuse/Resist“ und „Roots Bloody Roots“ belohnt.


Die deutsche Metalcore Band CALIBAN inklusive Emo-Schminke und Grusel-Kontaktlinsen wollten dagegen nicht so recht überzeugen. Mit dieser Meinung stand ich aber fast allein da, denn die Jungs brachten das Publikum mit Songs von ihrem neuen Album „Say Hello To Tragedy“ ordentlich zum kochen.


Die Briten von THE SUBWAYS waren für mich auf jeden fall die Exoten im Line-Up. Doch trotz Exoten-Status rissen sie das Publikum dank spitzen Entertainer-Qualitäten von Anfang an mit. Hits wie „Oh Yeah“ und „Rock ‚N’ Roll Queen“ oder wie Billy so schön meinte „Rock am Bach Queen“ tun da ihr übriges. Billys nackter Oberkörper konnte hier wahrscheinlich nicht so viele begeistern, wegen des eher überwiegend männlichen Publikums, dafür die Deutsch-Kenntnisse umso mehr: „Du bist die Sonne, du bist die Einzige…“. Mit diesem Akzent unbezahlbar!


Dann war es soweit – die legendäre Kultband MOTÖRHEAD bekleidete den Headliner Slot und betrat unter den obligatorischen Worten „Hello, we are Motörhead and we play Rock ‚n’ Roll!“ die Bühne. Klassiker wie „Ace of Spades“ und „Overkill“ wurden einem von Lemmy und Co mit rauer Whisky-Stimme um die Ohren geknallt. Natürlich in einer Lautstärke, die einen zu Recht daran erinnerte, dass dort gerade die „lauteste Band der Welt“ auf der Bühne steht. Auch Songs des neuen Albums „Motörizer“ („Rock Out“ oder auch „The Thousand Names Of God“) durften selbstverständlich nicht fehlen. So zeigten die Engländer 90 Minuten lang, dass sie auch nach über 30 Jahren nicht verlernt haben das Publikum ordentlich zu rocken!


mehr von Motörhead auf Flickr

Fazit: Ein beschauliches Festival der kurzen Wege mit einem klasse Line-Up – 2010 gerne wieder!


Setlist MOTÖRHEAD:
01 Iron Fist
02 Stay Clean
03 Be My Baby
04 Rock Out
05 Metropolis
06 Over The Top
07 One Night Stand
08 I Got Mine
09 The Thousand Names Of God
10 Another Perfect Day
11 In The Name Of Tragedy
12 Just ‚Cos You Got The Power
13 Going To Brazil
14 Killed By Death
15 Bomber
——————-
16 Whorehouse Blues
17 Ace Of Spades
18 Overkill


_ Originalartikel erschienen auf www.bizarre-radio.de

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2 Gedanken zu „Rock am Bach wächst und gedeiht

  1. Pingback: Disco Ensemble Festival Report 2009 « spoeker

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