Von Sunrise Avenue und anderen Arschlöchern

Interview mit Disco Ensemble in Köln // 23. April 2008


In einer Dönerbude neben dem Luxor standen mir die vier Finnen zum Interview zur Verfügung. Und Irgendwie hatte ich das Gefühl ich wurde mehr von denen interviewt als umgekehrt! Ich hatte ein kleines Mini-Spielzeugkeyboard mit. Die Jungs waren ganz angetan davon und Miikka (Sänger) war so frei das „We Might Fall Apart“-Intro darauf zu spielen.


Miikka (begeistert): Man kann darauf richtig spielen, das geht! Oder man kann es als Waffe benutzen! (Anm. der Redaktion: Das Keyboard hat quasi einen Griff zum Wegschmeißen)
Mikko: Wir könnten das mit in die Show einbauen! (lacht)
Lasse: Netter Sound!
GETADDICTED: Das war wundervoll!! Ich hab das Keyboard mitgebracht weil es gerade euer kleines Keyboard ist, was mich fasziniert. Warum benutzt ihr so ein kleines Ding, wo ihr euch doch auch ohne Probleme ein richtig großes oder wenigstens ein normalgroßes besorgen könntet!?
Miikka (lacht): Du wirst sehen: Ich hab mir jetzt sogar ein größeres Keyboard zugelegt, das ich für ein paar Songs benutze. Das ist viel größer.
Mikko: Ja, zehn Zentimeter!
GETADDICTED: Das geht doch nicht! Du musst dem kleinen treu bleiben!
Miikka: Ja bei manchen neuen Songs benutz ich auch noch das alte. Das hab ich vom Secondhandladen für 10€. Ich dachte damals, für 10€ bringt es doch einen ganz ordentlichen Sound hervor.
Jussi: Ich erinnere mich noch, wie er damals mit dem kleinen Ding ankam und anfing, ein bisschen darauf rumzuspielen. Zuerst dachten wir alle ‚Oh mein Gott, was ist dass denn?!’ Aber es passte eigentlich ganz gut, und wir wollten mal probieren, es in einen Song einzubauen.
Lasse: Es ist schon ziemlich im Sound beschränkt. Man kann jetzt nicht ein ganzes Orchester damit nachspielen, so liefen wir auch nicht Gefahr von zuviel abgefahrenem Sound davongetragen zu werden.


GETADDICTED: Apropos abgefahrener Sound, euer drittes Album „Magic Recoveries“ kommt am 9. Mai hier in Deutschland raus. Was können wir erwarten?
Miikka: Das Album wird euch umhauen! Das ist das Beste, was wir je zusammengetragen haben.
Lasse: Ja, mehr von allem.
Mikko: Liebe Menschen da draußen – habt eure Tanzschuhe parat!
GETADDICTED: Wie sieht denn die Trackliste aus?
Jussi: Was ist drauf … Viel verschiedenes. „Magic Recoveries“ und „Bad Luck Charm“ kann man ja schon bei uns auf der myspace seite anhören (Anm der Redaktion: mittlerweile auch das ganze). „Threat Letter Typewriter“ haben wir schon öfter live gespielt, „Worst Night Out“ auch schon. Heute werden wir natürlich auch ein paar neue Songs spielen. Darunter „Beacon“ und „We Can Stop whenever we want“. Gestern in Hamburg haben wir „Headphones“ und „Stun Gun“ gespielt. Die kamen auch gut an.
GETADDICTED: Na dann hat man ja schon fast das ganze Album gehört. Was ist mit den restlichen vier Tracks?
Miikka: Wer die einen mag, wird die auch mögen. Was fehlt denn jetzt noch?
Lasse: „Arsonists vs Fireman“ und „Poltergeist“.
Mikko: Und „24 365“ und „Lightweight Giants“.
Jussi: Dann haben wir sie aber auch alle oder? Müssten zwölf Tracks sein.
GETADDICTED: „Abandoned“ fehlt. Ich habs schon live gehört, also war es schon fertig. Habt ihr es umbenannt oder hat es einfach nicht mehr aufs Album geschafft?
Miikka: Es ist herrenlos…(lacht)
Jussi: Im Endeffekt hatten wir so viele Songs, da mussten wir aussortieren und „Abandoned“ ist dem zum Opfer gefallen.
GETADDICTED: Wird das dann mal auf einer Single als Track mit drauf gepackt?
Jussi: Das wissen wir noch nicht, vielleicht.


GETADDICTED: „Magic Recoveries“ ist für mich eher im alten Stil von „Viper Ethics“ geraten, „Worst Night Out“ dagegen ganz anders, mehr elektronisch mit schönen Gitarren-Effekten. Was kann man von den anderen Songs erwarten?
Jussi: Wir hatten jetzt keine Schablone für das Album. Wir haben einfach gespielt und weiter gespielt und sind bei den Dingen hängen geblieben, die uns am besten gefallen haben.
Mikko: Vielleicht haben wir herausgefunden, wie man mit den gleichen Effekten unterschiedliche Songtypen bekommt, wer weiß …


GETADDICTED: Wie fühlt es sich an die neuen Songs live zu spielen?
Miikka: Wie eine Befreiung!
Jussi: Jaaa, es ist aufregend!
Lasse: Und macht Spaß!
GETADDICTED: Habt ihr einen Favoriten unter den neuen Songs?
Mikko: Das wechselt eigentlich täglich.
Jussi: „Threat Letter Typewriter“ funktioniert richtig gut live.


GETADDICTED: Ihr habt uns einen kleinen Einblick in den Aufnahmeprozess des Albums gewährt durch euer Studio-Tagebuch. Ward ihr wirklich die ganze Zeit über zusammen nur in diesen engen Räumlichkeiten?
Miikka: Ja, wir waren immer alle zusammen da. Wir hatten für jeden seinen eigenen Arbeitsbereich, wo er hausieren konnte, wie er wollte.
Jussi: Wir haben gemerkt, dass es wirklich wichtig, ist jeden um sich zu haben, während man da so rumbastelt.
GETADDICTED: Seid ihr euch dabei nicht auch mal ordentlich auf die Nerven gegangen?
Mikko: Najaaaa nicht wirklich… (grinst)
Lasse: Die Freude auf das Album hat so was überlagert. Jeder wollte es JETZT fertig bekommen.
Miikka: Wir werden kribbelig, wenn wir untätig sind, also alles jetzt erledigen, dann läuft man auch nicht Gefahr, sich zu nerven! (lacht)
GETADDICTED: Bekommen wir denn in Zukunft öfters mal solche Videotagebücher zusehen? Zum Beispiel ein Tour-Tagebuch?
Miikka: Wir arbeiten dran, eins während der Tour zu machen. Verdammt albernes Zeug!


GETADDICTED: Euer Albumartwork ist von Inka Järvinen. Ist der Kopf ihre Idee gewesen oder habt ihr da mitgemischt?
Jussi: Alles aus ihrem talentierten Hirn.
Miikka: Wir hatten ein paar vage Diskussionen über das Artwork und sie hat’s perfekt umgesetzt.
GETADDICTED: Was steckt hinter dem Artwork? Was wollt ihr uns damit mitteilen.
Jussi: Wir nennen ihn einfach „The Head“. Es ist ein Durcheinander aus allem, welches irgendwie zusammenhält und ein Ganzes bildet. So wie die Welt.
Miikka: Ja so wie das Album quasi.


GETADDICTED: Ihr habt jetzt zum zweiten Mal Lapko als Support mit. Wie ist euer Verhältnis unter einander?
Mikko: Ha, Lapko! Das ist ne Bande von Arschlöchern! (alle lachen)
Miikka: Richtige Rock’n’Roll-Diven. Wir reden gar nicht mehr mit denen! Spaß beiseite, das sind einfach richtig gute Freunde von uns. Wir kommen aus nah beieinander liegenden Städten an der Westküste von Finnland und teilen den gleichen Hintergrund. Wir haben denselben Humor, mit denen macht’s einfach Spaß.
Jussi: Lapko gibts schon sehr lange. Sie spielten auch bei Shows, wo wir gespielt haben, da haben wir sie kennen gelernt.
Miikka: Ja Ville war total das Muskelpaket… (alle lachen)
Mikko: Der war so breit wie er groß war!
Lasse: Es ist einfach angenehm, mit denen zu touren. Man versteht sich auch ohne Worte, das macht vieles einfach.


GETADDICTED: Nach den drei Headliner-Shows geht’s als Support für die Donots weiter. Wie kam es dazu? Was haltet ihr von ihnen?
Miikka: Sie haben uns einfach via Mail gefragt, ob wir Lust haben, mit ihnen auf Tour zu gehen, wenn wir nichts Besseres zu tun haben. Was ich bisher von ihnen gelesen hab, hört sich gut an. Sie scheinen sehr nett zu sein. Also dachten wir: warum nicht!?
Lasse: Ich hab allerdings bisher noch keine Musik von ihnen gehört…
Miikka: Die hören sich ganz gut an.
GETADDICTED: Ich denke ja, ihr habt gehört dass die Donots Sunrise Avenue genauso hassen wie ihr…
Jussi + Miikka: Oh ja da haben wir ja wirklich was gemeinsam!
Mikko: Jeder Feind meines Feindes ist mein Freund!


GETADDICTED: Euer Tourkalender ist generell ziemlich voll gerade. Eine Finnlandtour steht noch an, die großen Festivals hier in Deutschland, Rock am Ring und Rock im Park. Und dann geht’s als erste finnische Band sogar auf Warped Tour! Wie fühlt sich das an?
Lasse: Das ist total klasse, wir haben noch so gut wie gar nicht drüben gespielt. Da ist so eine Tour wie diese genau das richtige, um langsam damit anzufangen.
Jussi: Die Warped Tour ist ein guter Start dort. Das ist so ein riesiges Land, da könnte man so lang touren, bis man stirbt!


GETADDICTED: Bei dem vielen Touren habt ihr schon viele Hotels gesehen. Wer war bisher der verrückteste Hotelgast dem ihr je begegnet seid?
Jussi: Wir haben bisher eigentlich nie wirklich viel von Hotelgästen mitbekommen…
GETADDICTED: Ich würd sagen, Pillowman ist schon sehr verrückt.
Miikka: Jaaaa, an den hatte ich jetzt auch gedacht (alle lachen; Anm. der Redaktion: DVD Video Vortex der Jungs gucken, dann wisst ihr wen wir hier meinen)
Jussi: Oh jaa, der ist sehr freaky!
Mikko: Pillowgirl war aber auch unheimlich!
Jussi: Hast du unsere DVD gesehen?
GETADDICTED: Ja, aber es ist nicht leicht zu verstehen wenn man kein finnisch kann, denn die deutschen und englischen Untertitel fehlen öfter mal.
Miikka: Nein, die fehlen nicht, aber Finnisch ist so eine umständliche Sprache, dass wir zwei Minuten brauchen, um etwas zu erzählen, das im englischen mit drei Worten gesagt wäre. Außerdem reden wir soviel Blödsinn, das musste alles nicht unbedingt übersetzt werden. (lacht)
GETADDICTED: Warum hat das so lange gedauert, bis ihr die DVD veröffentlich habt?
Miikka: Es kam einfach immer wieder was dazwischen, und wir dachten uns immer wieder, dass muss auch noch mit drauf und das und das….
Jussi: Ja und irgendwann haben wir Miikka einfach gefesselt und das Ding veröffentlicht!


GETADDICTED: Auf eurer Homepage habt ihr die Leute aufgefordert, wieder ins Gästebuch zu schreiben, ihr würdet mit eurem „own sexy style“ antworten. Was hat es damit auf sich?
Miikka: Das ist Jussis Schuld.
Jussi: Ja meine Schuld bzw. der Kaffee…Wir haben gerade unsere Seite upgedatet und ich hab Miikka quasi gezwungen, das zu schreiben.
GETADDICTED: Wer ist denn die gute Seele, die immer antwortet? Seid ihr das alle zusammen?
Jussi: Miikka macht das eigentlich
Miikka: Es ist das Disco Ensemble-Spirit, das durch meine Finger fließt. Oder Pillowman. (lacht)
GETADDICTED: Auch auf eurer Myspace-Seite seid ihr sehr aktiv.
Jussi: Myspace ist ein guter Weg, mit den Fans, den Leuten, die an dir und deiner Musik interessiert sind, in Kontakt zu kommen. Dafür ist es ja da. Und solange wir nicht 1.000 Nachrichten bekommen, ist es uns auch möglich zu antworten. Ich möchte nicht zu einer dieser Bands gehören, die mit niemanden redet, weil sie denkt sie wären was besseres oder so.
Miikka: Es ist ja auch nicht so schwer: Du bekommst eine Nachricht, klickst auf antworten und schreibst eine Antwort zurück, fertig. Dauert doch höchstens zehn Sekunden.
Lasse: Wir sind auch dankbar für jeden, der uns schreibt.
GETADDICTED: Erkennt ihr Leute wieder die euch öfters mal schreiben?
Miikka: Ja natürlich. Da kommen teilweise richtige Gespräche zustande. Man kommt in Kontakt mit Leuten, die interessiert sind an dem, was wir tun.
GETADDICTED: Jetzt seit ihr sogar auf dem Cover der Mai-Ausgabe der unclesally*s. Ist das euer erstes Cover? Wie fühlt sich das an?
Mikko: In Finnland waren wir schon auf ein paar Covern, aber in Deutschland ist es das erste.
Miikka: Es ist total komisch sich da selbst drauf zu sehen….


GETADDICTED: Bei welchem Song wünscht ihr euch, dass ihr ihn geschrieben hättet?
Miikka: Das ist ne harte Frage!
Lasse: So spontan fällt mir da nichts ein, da muss man erstmal in Ruhe drüber nachdenken…
Mikko: Was ist wohl der erfolgreichste Song überhaupt…. (alle lachen)
Miikka: Das muss ja ein Weihnachtslied sein.
Jussi: Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir von Michael Jackson „Thriller“ ein. Das ist ein super Lied. Die andere Sache, die mir einfällt, ist der Animationsfilm „Snowman“. Der wird in Finnland immer zur Weihnachtszeit gezeigt und hat diese verrückte Titelmelodie. Die hätte ich gern geschrieben!


GETADDICTED: Was war bisher euer peinlichstes Erlebnis auf der Bühne?
Jussi: Miikkas Hose ist im Schritt bei einer Show in London geplatzt!!! (alle lachen)
Miikka: Das ist doch nicht peinlich!
Lasse: Vor ein paar Jahren wurde ich ausgeknockt und hab mich auf der Bühne übergeben…


mehr Fotos auf flickr


_ Originalartikel erschienen auf www.getaddicted.org

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